»Von Gaudís Schornsteinen bekomme ich immer gute Laune«

Die junge Leipziger Illustratorin Linda Schwalbe überrascht auch in ihrem zweiten Bilderbuch »Gaudi. Architekt der Fantasie« mit ihrer originellen Farb- und Formensprache. Diesmal nimmt uns die Seraphina-Gewinnerin mit in die Welt des legendären katalanischen Architekten Antoní Gaudí. Das Buch mit Text von Susan B. Katz erzählt die dramatische Lebensgeschichte des Künstlers und zeigt uns Barcelona durch seine Augen. Julia Ann Stüssi stellte Linda Fragen zum Arbeitsprozess.

Was war dein erster Eindruck, als du das Manuskript erhalten hast?

Als ich das Manuskript las, entstanden sofort Bilder zu Gaudí und seinen illustrativen Arbeiten in meinem Kopf, und ich wollte am liebsten gleich darauf loszeichnen!

Was war dein wichtigstes Anliegen beim Illustrieren dieses Buches?

Wenn ich einen Text bekomme, möchte ich dazu natürlich vor allem eine tolle Bildebene entwickeln. Spannend fand ich, Gaudí – als Kind und als Erwachsenen – als nahbare Person darzustellen, unabhängig von seinen großen Bauwerken. 

Gaudí hatte keine Angst davor, ungewöhnliche Wege zu gehen, egal ob er für verrückt erklärt wurde. Das inspiriert mich sehr an ihm!

Linda Schwalbe

Was bedeutet dir Gaudí persönlich ?

Gaudí hatte keine Angst davor, völlig ungewöhnliche Wege zu gehen, egal ob er von manchen für verrückt erklärt wurde. Er hat bis zur Perfektion an seinen Werken gearbeitet und sich nicht beirren lassen. Das inspiriert mich sehr an ihm! 

Seine Bauwerke haben für mich etwas sehr Humorvolles und Lebendiges, von seinen Schornsteinen bekomme ich immer gute Laune!

Welche seiner Werke sind für dich wichtig, und warum? 

Mich fasziniert natürlich extrem die Sagrada Familia. Ich stehe davor, fühle mich winzig klein und kann über diesen Detailreichtum nur staunen. Als Kind habe ich ein Bild von der Sagrada Familia in einem Buch gesehen und konnte gar nicht fassen, dass diese »Tröpfchenburg« eine echte Kathedrale sein soll und wollte sie unbedingt mal in echt sehen!

Du warst also schon einmal in Barcelona und hast dir seine Arbeiten angeschaut. Bist du während des Prozesses der Arbeit am Buch einmal hingefahren? 

Ich war schon mal in Barcelona, aber leider eine Weile vor der Arbeit am Buch. Am liebsten wäre ich für die Recherche vor Ort gewesen und hätte mir alle Werke und Gebäude live angeschaut. Das ging dann leider wegen der Pandemie nicht, wird aber auf jeden Fall nachgeholt!

Für Gaudí habe ich viele Bilder von Barcelona gesammelt … und mich ein bisschen wie im Urlaub gefühlt.

Linda Schwalbe

Erzähl uns von dem Schaffensprozess. Wie bist du vorgegangen? Was war dankbar, was war herausfordernd? 

Für jedes größere Projekt lege ich ein Skizzenheft an und sammle darin Figuren, Eindrücke, Fotos und Muster. Dabei habe ich für Gaudí viele Bilder von Barcelona und mediterranen Gebäuden, Orten, Pflanzen, Stränden und Menschen gesammelt und mich ein bisschen wie im Urlaub gefühlt. So nähere ich mich dann meiner Bildsprache. Parallel dazu entwickle ich das Storyboard, um den Bildaufbau und die Dynamik der Geschichte festzulegen, das ist immer ein herausfordernder Prozess. 

Welche Technik hast du eingesetzt, und wieso? 

Ich habe mit Acryl gemalt, so arbeite ich nach wie vor am liebsten.

Wie findest du das richtige Bild? Gibt es viele Skizzen? Wie ist da dein Prozess? 

Bei der Umsetzung gibt es Szenen, die skizziere ich einmal, male sie direkt mit Farbe und fertig. Und dann gibt es Seiten, die wollen einfach nicht. Die skizziere und male ich drei- oder viermal bevor das fertige Bild stimmt. Da kommt schon ein schöner Stapel zusammen.

Dieses Buch ist deine zweite Bilderbuch-Biographie. Wie unterschied sich die Arbeit an »Gaudí« von der Arbeit an »Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf«? 

Der größte Unterschied zu »Ida« ist der Text, den habe ich bei Gaudí nicht selbst geschrieben. Es war toll, mit dem Text von Susan B. Katz zu arbeiten, so konnte ich mich ganz auf die Bildebene konzentrieren.

Wie bist du an die Aufgabe, einen Künstler zu portraitieren, herangegangen? 

Ich habe mich mit den Überlieferungen zu Gaudí als Person und seinem Werk beschäftigt und so versucht, mich ihm zu nähern. Er war zum Beispiel sehr bescheiden und hat in der kleinen Bauhütte auf der Baustelle der Sagrada Familia gelebt und sich hauptsächlich von Nüssen aus seiner Jackentasche ernährt. Solche Anekdoten sammle ich, skizziere viel und überlege, wie ich ihn darstellen möchte. Und so entsteht meine Interpretation von ihm.

Wer sind deine Vorbilder? 

Uh, das ist schwer. Ich habe tolle Menschen in meinem Umfeld, jede*r ist ein Vorbild in irgendwas Besonderem. 

Es gibt noch jede Menge guter Geschichten … 

Linda Schwalbe

Was inspiriert dich? 

Mich inspiriert die Popkultur, die Musik, die Natur, Design und Architektur. Das ergibt dann eine Art Puzzle aus verschiedenen Bildern, die mich motivieren, z.B. die Comics von Tove Jansson, die Malereien von Leonor Fini, die Marionetten von Sophie Täuber Arp, die Musik von Karin Dreijer, die Küste von Vermeille und vieles mehr. 

Über wen würdest du auch noch gerne ein Buch machen? 

Gute Frage, vielleicht würde ich gern mal eine Geschichte über eine Person im Weltall (aber ganz bestimmt keinen Millionär) erzählen, oder eine Piratin. Es gibt noch jede Menge guter Geschichten …

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