Ach! Noch wach?!

Die Bilderbücher des Erfolgs-Duos Kathrin Schärer und Lorenz Pauli sind bei Groß und Klein beliebt und wurden mehrfach ausgezeichnet. Wir freuen uns, dass nun ihr erstes Bilderbuch bei NordSüd erschienen ist. Mit »Ach! Noch Wach?!« erzählen Kathrin und Lorenz eine Gute-Nacht-Geschichte von einer Murmeltier-Familie, in der ein kleines Murmeltierkind lieber auf Entdeckungsreise geht, statt sich schlafen zu legen. Im Interview verraten uns die beiden das eine oder andere Detail zu der Geschichte und ihrer Entstehung.

Liebe beide, wie kam »Ach! Noch wach?!« zu euch?

Lorenz: Kathrin und ich nutzen jede Gelegenheit für einen Austausch, wenn wir uns sehen. Denn das ist nicht sehr oft. Ich zeigte Kathrin ein paar Ideen und Mind-Maps. Bei einem Mind-Map zum Thema ‘Geschwister’ stand eher beiläufig »Ach, noch wach?« und Kathrin wusste sofort: Das ist es.

Wie können wir uns den Prozess vorstellen, sobald ihr eine Idee im Kopf habt?

Lorenz: Wach sein und schlafen müssen ist noch keine Geschichte. Aber dann überfiel mich der erste Satz. Und der eröffnete mir die Geschichte. »Die kleinen Murmeltiere müssen schlafen gehen, denn die grossen Murmeltiere sind müde.«

Kathrin: Zuerst liegt der Ball bei Lorenz, dann bei mir. Wenn wir beide angebissen haben, schicken wir die Geschichte zu Lektorat und Verlag. Wenn alle begeistert mit im Boot sitzen, skizziere ich mit Bleistift ein erstes Storyboard. Nach den diversen Feedbacks überarbeite ich es und mache mich an die farbige Umsetzung mit ebenfalls vielen Hin und Hers. Vor allem beim Cover kommt dann nochmals eine grössere Feedback-Runde hinzu und dann natürlich noch die Grafikerin Theresa Gamper, die mit ihrer spannenden Typografien dem Buch das gewisse Etwas gibt. Es folgen Farbkorrekturen, letzte Anpassungen, Druck, Vertrieb und endlich die Auslieferung. Dann, wenn ich in einer Buchhandlung bin, gibt es ein schüchternes Abchecken, wo das Buch steht – oder ein: Ach! Noch… finde ich es nirgends.

Und am Schluss, wenn wir Glück haben, folgen schöne Buchbesprechungen und Empfehlungen. Und wenn wir noch mehr Glück haben, begeisterte Kinder!

Das Eigentliche passiert nicht im Buch, sondern darüber. Zwischen den Schauenden.

Lorenz Pauli

Was ist bei »Ach! Noch wach?!« die grösste persönliche Herausforderung für euch gewesen?

Kathrin: Einerseits das Draussen und Drinnen, die beiden Spielorte sollten sich von Farbe und Stimmung klar unterscheiden – das Drinnen kuschlig warm, das Draussen geheimnisvoll, gespenstisch und kühl. 

Und bei diesem Buch hatte ich mehr digitale Elemente als sonst. Alle Pflanzen sind digital eingesetzt, das heißt, das Original ist längst nicht das, was nachher im Buch ist, das musste ich mir beim analog Gestalten dazu denken. Dann kommt das Elende beim Digitalen: Man kann stundenlang Elemente verschieben, vergrössern, verkleinern, drehen, anders einfärben – wunderbar, diese Möglichkeiten, aber ein Graus, sich entscheiden zu müssen.

Lorenz: Die Form zu finden, die dem Kindlichen und auch der Sicht der Eltern Rechnung trägt, nicht langweilt und nicht zu spannend ist: das war kein kurzer Weg.

Ein Blick ins Atelier von Kathrin Schärer bei der Entstehung von »Ach! Noch wach?!«

Wie ergänzt ihr euch im Team?

Kathrin: Wie spielen bei jedem Projekt Ping-Pong, ein spielerisches Hin und Her – unverkrampft und aus dem Bauch heraus, im Wissen, das Gegenüber erträgt »Gestänker« oder »in Frage stellen« gut. Das geniesse ich und es gibt mir Sicherheit.

Lorenz: Flapsig ausgedrückt: Indem wir ein wirkliches Team sind und unsere Grenzen nicht zu klar definieren. Beide sind ein Teil von etwas Grösserem. Kathrin und ich sind zusammen mehr als 2 x 50 %.

Die Szene, in der das Murmelkind des Nachts nach draußen flitzt, zu den Sternen schaut und denkt, dass die Dunkelheit Löcher hat, ist eine meiner liebsten Stellen im Text – ein klassischer Lorenz Pauli.

Kathrin Schärer

Wie gelingt euch dieser kindliche Blick auf die Welt in eurer Geschichte?

Lorenz: Ich habe mir eine Kindlichkeit bewahrt, die mir das leicht macht.

Kathrin: Die Szene, in der das Murmelkind des Nachts nach draußen flitzt, zu den Sternen schaut und denkt, dass die Dunkelheit Löcher hat, ist eine meiner liebsten im Text – ein klassischer Lorenz Pauli. Er hat die Begabung zu solch poetischen und zugleich kindlich rührenden Formulierungen, da kann ich dann beim Illustrieren freudig besagten Ball aufnehmen.

Doppelseite aus dem Buch

Welche Erinnerung kommen bei euch hoch, wenn ihr an Gute-Nacht-Geschichten aus eurer Kindheit denkt?

Kathrin: Ich erinnere mich nicht unbedingt an Bücher, sondern an die warmherzige Vorlese-Situation meiner Eltern mit meiner Schwester und mir, im Bett aneinander gekuschelt und wenn das Buch Bilder hatte, mit Blick auf die Bilder. Schöne und für mich wichtige Erinnerungen.

Lorenz: Kästners »Der kleine Mann«. Und Lindgrens »Karlsson vom Dach«. Aber ich sehe es wie Kathrin. Das Eigentliche passiert nicht im Buch, sondern darüber. Zwischen den Schauenden.

Wo findet ihr Inspiration im Alltag?

Kathrin: Ich finde zum Beispiel Inspiration bei meinem Stiefenkel, was interessiert ihn, was versteht er, was macht ihm Freude. 

Ich bin eine Beobachterin, überall, zu jeder Zeit. Beim Mittagessen schaue ich gern auf die Strasse, gegenüber ist eine Schule, und beobachte die Kinder, wie sie sich in Gruppen oder alleine bewegen, wer voraus hüpft, wer verträumt hinterher schlurft.  Und natürlich die Tiere. Meine Katze und bis vor kurzem 4 Hühner. Die Spatzen, die Eidechsen und Blindschleichen im Garten, Hunde auf der Strasse und ihre Menschen, die meist optisch und in der Bewegung perfekt zusammen harmonieren.

Lorenz: Der Alltag ist gross wie ein Universum. Darum ist das Wort All im Wort Alltag. Die Inspiration steckt in ALLem. Ich bin froh, die Inspirationsquellen nicht eingrenzen zu müssen.

Welchen Trick wendet ihr an, wenn ihr keinen Schlaf findet?

Lorenz: Der Schlaf wird dadurch angelockt, dass man ihn nicht sucht.

Kathrin: Nur ja nicht ans Projekt und konkrete Bilderbuchseiten denken, sonst bin ich »Ach! Noch wach?!« und muss wieder an den Zeichentisch. Wenn ich gar nicht schlafen kann, lese ich, bis mir die Augen zu fallen.

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