Leichtigkeit beginnt im Kopf!
Nach »Der Wortschatz« folgt nun der neue Streich des Bestseller-Duos Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger. In ihrem neuen Bilderbuch »Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte« erzählen sie von der Unbeschwertheit und der Kraft, sich selbst treu zu bleiben. Im Interview verraten sie uns das eine oder andere Detail zu der Geschichte.
Nach »Der Wortschatz« betritt nun Herr Leopold die Bühne. Mit welchen drei Wörtern würdet ihr euer neues Buch beschreiben?
Schwebefrei, losgelassen und herzensnah.
Wie kam euch die Idee? Was hat Leopold vor eurem inneren Auge vorbeischweben lassen?
Die Idee zu dieser Geschichte ist aus unseren täglichen Gesprächen entstanden. Wir philosophieren oft über die großen und kleinen Fragen des Lebens. Irgendwann kamen wir auf die Frage, warum sich das Leben als Kind oft so leicht anfühlt und wann uns diese Leichtigkeit eigentlich verloren geht.
Diese kindliche Leichtigkeit ist etwas unglaublich Kostbares. Mit den Jahren wird sie oft von Sorgen, Ängsten, Erwartungen, Regeln und dem ganz normalen Alltag überlagert. Ähnlich ist es mit den Eigenschaften, die uns besonders machen. Man beginnt sich anzupassen, sei es, um dazu zu gehören oder nicht zu stören, um in die Vorgaben zu passen oder die Normen zu erfüllen. Gründe gibt es viele. Dabei verliert man unterwegs ein kleines Stück von sich selbst.
Wir haben das auch bei uns beobachtet. Irgendwann fragten wir uns: Wo ist diese Leichtigkeit geblieben? Was lässt sie verschwinden? Und kann man sie wiederfinden? In diesem Buch kommen viele Themen zusammen, die uns faszinieren und berühren. Es geht um Leichtigkeit, um das Gefühl der Schwerelosigkeit, ums Schweben. Es geht darum, Ängste loszulassen und über den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Es geht um Einzigartigkeit, um die kleinen und großen Besonderheiten, die jeder Mensch in sich trägt. Und um die Frage, warum diese mit der Zeit verblassen können oder unter all den Erwartungen des Lebens verborgen werden. Oder vielleicht verschwinden sie am Ende gar nicht. Vielleicht warten sie nur darauf, wiederentdeckt zu werden.
Wenn wir plötzlich schweben könnten, würden wir über Seen und Meere gleiten, über Berge und Wälder, dorthin, wo man zu Fuß kaum hinkommt. Wir würden Wolken berühren,
Saltos ausprobieren und uns einfach vom Wind tragen lassen.
Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger
Welcher Gedanke lässt euch luftig-leicht vom Boden abheben?
Mitternachtssonnige Kayjakfahrten auf einem stillen See. Eine morgenfrische Bergbrise mit Weitsicht. Ein gutes Gespräch über das Leben mit herzensnahen Menschen. Fahrtwind in den Segeln.

Was würdet ihr als erstes tun, wenn ihr eines Morgens aufwachen und schweben könntet?
Wahrscheinlich würden wir zuerst einfach nur schweben. Ohne großes Ziel. Einfach, weil wir es können. So lange, bis es ganz normal wird.
Wenn wir plötzlich schweben könnten, würden wir über Seen und Meere gleiten, über Berge und Wälder, dorthin, wo man zu Fuß kaum hinkommt. Wir würden Wolken berühren, Saltos ausprobieren und uns einfach vom Wind tragen lassen. Und ganz ehrlich: Wahrscheinlich würden wir auch den einen oder anderen kleinen Umweg machen. Bei Freunden ans Fenster klopfen, über einem Musikfestival vorbeischweben oder uns heimlich über das erstaunte Gesicht eines Menschen freuen, der gerade nach oben schaut.
Leopold zeigt wunderbar, was das Anderssein für eine Stärke sein kann. Welche Stärken machen euch aus?
Rebecca sieht oft den feinen Humor in Dingen, Menschen und Situationen, die uns umgeben – auch wenn sie noch so staubtrocken sein können. Sie liebt diese kleine Alltagskomik. Und sie hat ein feines Gespür für die Menschen, um sie herum. Simon ist mit einer großen Portion Gelassenheit ausgerüstet und kann wunderbar im Moment sein. Im Hier und Jetzt, ohne sich vom Gestern oder vom Morgen aus der Ruhe bringen zu lassen.
Habt ihr eine Lieblingsszene im Buch, die ihr besonders gerne geschrieben oder illustriert habt?
Hmm, bei diesem Buch gibt es für uns keine einzelne Lieblingsszene. Besonders gerne haben wir die Szenen mit vielen Details gestaltet, zum Beispiel die Forschergruppe, die Küche, die Bibliothek oder Leopolds riesigen Berg aus Gegenständen. Dort konnten immer wieder neue kleine Ideen und Überraschungen einbauen.
Vielleicht können wir uns deshalb auch nicht für eine Lieblingsillustration entscheiden, weil sich bei vielen Bildern immer wieder etwas Neues entwickeln konnte. Manche Illustrationen waren von Anfang an klar, andere haben sich erst nach und nach entwickelt. So ist uns jedes Bild auf seine ganz eigene Weise ans Herz gewachsen.

Die Geschichte handelt auch vom Loslassen, um die eigene Leichtigkeit zurückzugewinnen. Wer von euch kann besser loslassen: Rebecca, Simon oder Leopold?
Ganz klar Leopold. Mittlerweile ist er uns im Loslassen weit voraus und macht uns das auf wunderbare Weise vor.
Loslassen ist für uns ein Prozess. Manchmal geht er überraschend schnell, manchmal dauert er viel länger als gedacht. Das hängt immer davon ab, worum es gerade geht. Wir stecken selbst immer wieder mitten in solchen Prozessen. Vielleicht mögen wir Leopold auch deshalb so gerne. Er erinnert uns daran, dass Loslassen nicht bedeutet, etwas zu verlieren, sondern schafft Raum, damit etwas Neues entstehen kann.
Welches Wolkentier formt ihr am liebsten?
Den kurzbeinigen Wolkenrüssler.

Vielen Dank für das Gespräch!
