Ein NordSüd-Schulterblick in die Geschäftsführung

Seit zwei Jahren bilden Herwig Bitsche und Nina Grünberger die gemeinsame Geschäftsführung vom NordSüd Verlag. Heute geben sie einen Einblick in ihre gemeinsame Arbeit und erzählen von ihren Highlights aus den letzten Jahren. Vielen Dank an Herwig Bitsche und Nina Grünberger.

Welche Aufgaben übernehmt ihr im Einzelnen?

Herwig: Als Verleger gestalte ich unser Programm. Als Geschäftsführer bin ich für die internationalen Geschäfte des Verlags zuständig, das sind unsere Imprints in den USA, NorthSouth Books und Ediciones NorteSur, der bilinguale Verlag bilibri in München und unser weltweites Lizenzgeschäft. 

Nina: Ich war vor meinem Einstieg in die Geschäftsführung für das Marketing zuständig und habe die Kommunikationsabteilung geleitet. Diese operativen und strategischen Aufgaben habe ich behalten. Das heißt, ich überlege mit meinem Team, wie wir unsere Bücher positionieren und unter die Leser:innen bringen. Vor zwei Jahren, mit dem Einstieg in die Geschäftsführung, habe ich zusätzlich die Verantwortung für Grafik, Vertrieb, Personalführung und Transformationsprozesse übernommen. Mit Herwig teile ich alle Aufgaben, die anfallen, wenn man einen Verlag leitet.

Wenn man die richtige Geschichte gefunden hat, ruft die innere Stimme sehr laut. Sie ist dann kaum zu überhören.

Nina Grünberger

Welche Eigenschaften schätzt ihr in der Zusammenarbeit mit dem jeweils anderen besonders?

Nina: Herwig hat in seinem Berufsleben viele Stationen in der Verlags- und Buchbranche absolviert. Diese Erfahrungen, ob als Buchhändler oder auf Verlagsseite, fließen noch heute in seine Arbeit als Verleger ein. Das ist sehr wertvoll. Als er noch mein Chef war, habe ich an ihm geschätzt, dass man ihn mit einer guten Idee immer überzeugen konnte. Persönlich schätze ich Herwigs Humor – wenn man sich nicht einig ist, hilft uns Österreicher:innen der Schmäh.

Herwig: An Nina schätze ich ihre hohen Ansprüche an sich selbst, ihre Strukturiertheit, ihren Blick fürs große Bild und ihr Einfühlungsvermögen in die Anliegen und Wünsche der Mitarbeitenden. Humor hat sie natürlich auch, nicht nur Schmäh. 

Herwig, du bist seit 2011 bei NordSüd, Nina du seit 2015. Was war in all den Jahren ein besonderes Highlight in eurer NordSüd-Geschichte?

Herwig: Eines meiner Highlights war gerade letzte Woche, als uns zwei neue Künstler im Verlag besucht haben, deren erstes Buch wir im Herbst 2026 veröffentlichen werden. Diese Begegnungen mit den Kreativen sind immer wieder beglückende Ereignisse. Wenn ich ein wenig weiter zurückblicke, so war für mich die Auszeichnung Verlag des Jahres, den wir als erster Schweizer Kinderbuchverlag von den Verbandsmitgliedern verliehen bekommen haben, ein Meilenstein. Torben Kuhlmanns erstes Mäuseabenteuer »Lindbergh«, das 2014 erschienen ist, hat den Verlag entscheidend geprägt. Stolz bin ich auch darauf, dass der »Regenbogenfisch« nach so vielen Jahren wieder zu einer wichtigen Säule des Verlags geworden ist. Und nicht zu vergessen, dass Nina in die Geschäftsführung kam.

Nina: Da gibt es einige! Sicherlich zu erleben, wie wir den Verlag vor zehn Jahren mit der damaligen Geschäftsführung – Herwig und Andrew Rushton – und dem Team wieder auf stabile Füße gestellt haben. Die Auszeichnung mit dem Young Talent Award 2017. Dann das 60. Verlagsjubiläum und die Entwicklung der BilderBuchBande, weil diese Kampagne zusammengefasst hat, wofür der Verlag steht: für Menschen, die aus Überzeugung und mit viel Leidenschaft gemeinsam Bücher machen. Dass es uns letztes Jahr gelungen ist, mit dem Bilderbuch »Der Wortschatz« einen neuen Bestseller zu kreieren. Und natürlich die kleinen, aber nicht weniger bedeutenden Highlights im Alltag: unsere Mittagsrunden im Team und die regelmäßigen Besuche von Menschen, mit denen wir Bücher machen.  

Dieser Verlag lebt von den Beziehungen, die wir in mehr als sechs Jahrzehnten in aller Welt aufgebaut haben. Sie sind unser höchstes Gut.

Nina Grünberger

Und was war euer größtes Missgeschick?

Herwig: Verlegen ist ein ständiges Irren. Es kommt nie das raus, was man sich vorgestellt hat. Zum Glück sind die ganz großen Missgeschicke ausgeblieben. 

Nina: Damals fühlte es sich groß an – der Versand meiner ersten Pressemeldung für NordSüd vor zehn Jahren. Ich habe vor lauter Aufregung Blindkopie und Anhang vergessen. Das war mir sehr unangenehm, heute erzähle ich diese Geschichte gerne als Anekdote, wenn ich über Fehlerkultur spreche.

Was zeichnet eurer Meinung nach den NordSüd Verlag aus?

Nina: Das Miteinander. Die Menschen, mit denen wir Bücher machen und in die Welt tragen. Dieser Verlag lebt von den Beziehungen, die wir in mehr als sechs Jahrzehnten in aller Welt aufgebaut haben. Sie sind unser höchstes Gut. 

Herwig: Der Wille, die besten Bilderbücher selbst zu entwickeln und nicht nur Lizenzen aus der ganzen Welt einzukaufen.

Woran erkennt ihr eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden muss?

Nina: Wenn man die richtige Geschichte gefunden hat, ruft die innere Stimme sehr laut. Sie ist dann kaum zu überhören. 

Herwig: Ja, wirklich gute Geschichten erkennt man meist sehr schnell. Aber, dann bleibt immer noch die Frage, ob man sie auch gut vermitteln kann, ob man anderen diese Begeisterung mitgeben kann. 

Nina: Das ist Teil unserer Aufgabe.

Irrtümer bringen uns weiter.

Herwig Bitsche

Welche Eigenschaften sind eurer Meinung nach unabdingbar, wenn man in der Verlagsbranche Fuß fassen möchte? 

Nina: Leidenschaft für gute Geschichten und eine Portion Idealismus. Wenn man ins Kinderbuch möchte: zu verstehen, dass Büchermachen für Kinder genauso anspruchsvoll ist wie für Erwachsene. 

Herwig: Schön zusammengefasst von Nina. Und falls man Verleger werden möchte, sollte man rechtzeitig lernen »Nein« zu sagen.

Im Büro des Verlegers gibt es so einiges zu entdecken. Natürlich vor allem: Bilderbücher!

Gibt es aktuelle Trends oder Entwicklungen in der Buchbranche, die ihr mit wachsendem Interesse verfolgt?

Herwig: Ja, aber seit ich mich erinnern kann ist die Buchbranche ständig von Krisen umzingelt gewesen. Erstaunlich finde ich die Widerstandskraft dieser Branche. 

Nina: Ich beobachte die Entwicklung von Young Adult, die Entstehung von Verlags-, Imprint- und Personenmarken, aber auch wie sich Künstliche Intelligenz gerade auf den Kinderbuchmarkt auswirkt.

Die Frage kommt zu spät. Ich kann leider wirklich nichts anderes als Verleger sein.

Herwig Bitsche

Welche Geschichten haben euch in eurer Kindheit und Jugend am meisten geprägt?

Herwig: Ich habe mich als Kind über Jahre mit einem Buch, das die Welt beschreibt, beschäftigt. Darin war das wenig anziehende Bild eines Autors. Umso erstaunlicher ist es, dass ich trotzdem Verleger geworden bin. Viele Jahre später habe ich meinen Irrtum erkannt: Es war ein Bild von Johannes Gutenberg, also eher ein Verleger als ein Autor. Aber da war es schon zu spät. Man kann daraus auch ableiten: Irrtümer bringen uns weiter. 

Nina: In meiner Kindheit waren das die Geschichten von Ottfried Preußler, Astrid Lindgren, aber auch Paul Maar. Als Jugendliche habe ich Hermann Hesse verschlungen. Zuerst seine Bücher, dann die Gedichte. 

Wenn ihr heute nicht in der Verlagsbranche tätig wärt, welchen Beruf würdet ihr stattdessen ausüben?

Nina: Wäre mein Weg nicht das Studium gewesen, vermutlich etwas Handwerkliches. Vielleicht Goldschmiedin oder Buchbinderin. Vom heutigen Stand aus: alles, was mit Marke zu tun hat. Das ist im Grunde aber auch Handwerk. 

Herwig: Die Frage kommt zu spät. Ich kann leider wirklich nichts anderes als Verleger sein. Vielleicht lerne ich noch ein Handwerk, aber mehr als Hobby. 

Mit welchen Menschen, egal ob tot oder lebendig, würdet ihr gerne einmal essen gehen und worüber würdet ihr sprechen?

Nina: Mit Kurt Kläber (Kurt Held) und Lisa Tetzner, am liebsten in ihrem Haus im Tessin. Ich würde gerne mit ihnen diskutieren, welche Geschichten Kinder brauchen und wie man sie erzählt. Wenn dann noch Hermann Hesse vorbeikäme, ein Freund der beiden, was für ein Abend! 

Herwig: Ich bin ja wirklich dankbar, für die vielen tatsächlichen Begegnungen, die ich hatte. Aber ein Abendessen mit den Verlagsgründern Brigitte und Dimitrije Sidjanski, mit einer kleinen Fachsimpelei über den NordSüd Verlag, würde mich schon freuen. Dann könnte ich sie einmal fragen, wie sie wirklich auf den Namen NordSüd gekommen sind. 

Nina: Das ist auch eine schöne Idee. Was die beiden wohl sagen würden? 

Herwig: Du bist herzlich willkommen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Herwig Bitsche und Nina Grünberger

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert