Zu Besuch bei Gian und Giachen



Amélie Jackowski illustriert seit vielen Jahren Bilderbücher für den NordSüd Verlag. Ihr erstes Buch »Der Dachs hat heute schlechte Laune« (Autor Moritz Petz) erschien 2004 und ist bis heute das bekannteste Bilderbuch von ihr. 2015 besuchte Amélie Jackowski zum ersten Mal Graubünden, um die Lebenswelt der Steinböcke kennenzulernen. Jeder Band von Gian und Giachen hat eine andere Jahreszeit zum Thema. Der dritte Band »Gian und Giachen und das Munggamaitli Madlaina« zeigt Graubünden von seiner buntesten Seite. Wir haben Amélie Jackowski zu ihrer Arbeit mit den Steinböcken ein paar Fragen gestellt.

Amélie, welche Jahreszeit magst du am liebsten?
Ganz besonders mag ich den Sommer. Ich lebe in Marseille und liebe es, am Meer spazieren zu gehen. Aber Sommer in den Bergen ist genauso schön, mit der frischen Morgenluft und den Hunderten von Blumen. Und auf den Sommer folgt natürlich… der Herbst!

Wo arbeitest du an deinen Büchern?
Ich teile mir in Marseille ein Atelier – das Atélier du Baignoir, was Badewanne bedeutet – mit fünf anderen Künstlerinnen und Künstlern. Es war vorher eine Wohnung, mein Platz ist in der ehemaligen Küche. Ich zeichne aber auch im Café oder im Zug, um auf neue Ideen zu kommen.

Wie entwickelst du deine Geschichten und Figuren?
Ich habe viele Hefte und lose Papiere, auf denen ich meine Ideen festhalte. So mache ich in gewisser Weise die Bekanntschaft der Figuren des zukünftigen Buches. Ich informiere mich über die Tiere und ihre Lebensgewohnheiten. Ich zeichne sie auch in anderen Positionen und Situationen als denen, die in der Geschichte vorkommen. Dabei stelle ich mir ihre Reaktionen und ihren Charakter vor. Danach gehe ich wie eine Regisseurin vor, die ihre Schauspieler vor einer schönen Kulisse zum Leben erweckt. Ich lege Wert darauf, dass auch Kinder, die noch nicht lesen können, die Geschichte – und manches darüber hinaus – über die Position und den Ausdruck der Figuren verstehen. Bei den drei Gian und Giachen-Bücher hatte ich das Glück, die Landschaft und die Tiere vor Ort kennenlernen zu dürfen, sogar in Begleitung von Experten wie Förstern und Biologinnen. Eine große Freude!

Mit welcher Technik arbeitest du?
Für meine Bücher arbeite ich meistens mit Acrylfarbe auf Papier. Mit Farbstiften hebe ich die Details hervor. Ab und zu schneide ich auch Zeichnungen aus Papier aus, arbeite mit Stiften oder digital.

Wie hältst du Gian und Giachen auseinander?
Ganz einfach: Giachen ist noch lustiger als Gian, und außerdem sind seine Hörner etwas weniger glatt.

Steinböcke sind eher ungewöhnliche Protagonisten für ein Kinderbuch. Hält das Zeichnen für Kinder besondere Herausforderungen bereit?
Das stimmt, diese ganzen Hörner sind ziemlich originell! Deshalb machen sie auch so viel Spaß. Ich zeichne die Steinböcke sehr gerne, weil sie komisch sind, aber trotzdem Wildtiere bleiben, die auf weiten Flächen leben. Wenn ich im Gebirge welche sehe, denke ich immer: Das sind die beiden!

Was hat dich bei deinen Besuchen in Graubünden am meisten beeindruckt?
Das Majestätische des Ortes, wie viel Raum der Wildnis gelassen wird und die Schönheit der Landschaft zu jeder Jahreszeit.

Welche kulinarischen Erlebnisse hattest du in der Schweiz?
Ich würde sagen, ich bin in den Genuss aller Spezialitäten aus Graubünden gekommen – Maluns, Capuns, Pizzoccheri… Ich wurde wirklich toll empfangen!

Viele Schweizer verbringen gerade ihre Ferien im eigenen Land. Welche Tagestour würdest du den Leserinnen und Lesern in der Schweiz empfehlen?
Ich habe lebhafte Erinnerungen an eine Wanderung am Rand des Schweizer Nationalparks, im Val Trepchun, wo es viele Tiere zu beobachten gibt. Ich war in Begleitung eines großen Kenners der Flora und Fauna. Ihn als Führer dabei zu haben, war eine große Bereicherung.

Webseite Amélie Jackowski

Der dritte Band Gian und Giachen und das Munggamaitli Madlaina erscheint am 21.8.2020. Neben der deutschsprachigen Ausgabe gibt es das Buch auch auf Englisch und Rumantsch Grischun.