Happy Birthday, Binette!

Schroeder Bilderbuchbrunnen


Am 5. Dezember 2019 feiert Binette Schroeder ihren 80. Geburtstag. Und auch Lupinchen, das Bilderbuch mit dem Binette Schroeder ihren Durchbruch als Kinderbuchautorin und -illustratorin hatte, und das bis heute ihr bekanntestes Werk ist, feiert einen runden Geburtstag: Es erschien 1969, also vor 50 Jahren. Damit begann die Zusammenarbeit von einer der wichtigsten Bilderbuchkünstlerinnen Deutschlands mit dem NordSüd Verlag, die bis heute anhält.

Ein schmales aber intensives Werk ist in diesen fünf Jahrzehnten entstanden. Für ihr Werk wurde sie bereits 1997 mit dem Sonderpreis Illustration des Deutschen Jugendliteraturpreises und 2004 mit dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Für den Hans-Christian-Andersen-Preis (1998) und den Astrid-Lindgren-Memorial-Award (2003, 2014) wurde sie nominiert.

Der Bilderbuch-Brunnen zeigt erstmals alle von Binette Schroeder illustrierten Bilderbücher. An einigen Texten hat ihr Mann Peter Nickl mitgearbeitet. Dieser umfangreiche Überblick über ihr illustratives Schaffen ermöglicht es den Lesern erstmals, ihr Werk in konzentrierter Form zu betrachten. Lange Zeit vergriffene Werke wie Archibald und das kleine Rot (1970), Lelebum (1972), Ra ta ta tam (1973) und Krokodil Krokodil (1975) werden dadurch wieder zugänglich. Lelebum, das Werk, das noch während ihres Studiums in Basel entstand, zeigt eine ganz andere grafische Seite von Binette Schroeder. »Krokodil Krokodil« würde heute jedem Programmplaner schlaflose Nächte bereiten. Wie soll man erklären, dass das Krokodil die Verkäuferin im Krokoladen frisst? Aber Kinder lieben diese Szene, weil sie die absurde Komik erkennen. Und es rauchen in diesen Geschichten nicht nur die Lokomotiven. Blättert man zusammen mit Binette Schroeder durch diese Geschichten, so entdeckt man allerorts Spuren ihrer eigenen Biografie. So wurde Der Froschkönig (1989) eine Auseinandersetzung mit einem Lieblingsmärchen aus ihrer Kindheit und aus der zickigen Prinzessin wurde im Laufe der Entstehung eine emanzipierte junge Frau, die sich gegen die Konventionen stemmt. Eine wahre Entdeckung sind die Papp-Bilderbücher von Zebby (1981) und von Tuffa (1983), die sie für Walker Books in London illustriert hat. Bilderbuch-Perlen, die auf nur 5 Doppelseiten eine komplette Geschichte zu erzählen vermögen. Alle Bücher werden im vollen Umfang gezeigt.

Die Gestaltung des über 300 Seiten starken Buches hat der international renommierte Buchgestalter Kurt Dornig übernommen. Eine große Herausforderung bestand für ihn darin, die unterschiedlichen Formate in einem Buch zu vereinen. Eine weitere, den hohen Ansprüchen der gelernten Typografin gerecht zu werden. Kurt Dornig: »Binette Schroeder hat für jede Geschichte ein individuelles typografisches Konzept entwickelt. An diesem Punkt war die Beibehaltung der ursprünglichen Ästhetik, trotz Reduktion auf zwei Schriften und einheitlichen Schriftgrößen, eine komplexe Anforderung.« Einen besonderen Glanzpunkt erhielt der Sammelband durch das neue Umschlagmotiv, das Binette Schroeder eigens dafür gezeichnet hat. Es zeigt viele bekannte Figuren aus ihren Werken in einer typischen Schroeder’schen Landschaft.

Foto: Christine Paxmann

In den inzwischen acht Jahren, in denen ich mit Binette Schroeder zusammenarbeite, habe ich von ihr viel über die Kunst, Bilderbücher zu machen, gelernt. Sie wurde mir als »schwierige« Künstlerin vorgestellt. Das vermeintlich »Schwierige« an ihr ist, so will es mir heute erscheinen, eine Grundvoraussetzung, um Kinderbücher auf höchstem Niveau zu schaffen, die den Augenblick überdauern, die Bestand haben und die Klassiker werden. Mit dem »Bilderbuch-Brunnen« wird diese Meisterschaft eindrücklich dokumentiert und für die Ewigkeit festgehalten.
Alles Gute bis dahin, liebe Binette, wünscht dir dein Freund und Verleger
Herwig

PS: Noch bis 14. März 2020 ist in der Internationalen Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg in München die Ausstellung Oh wie bezaubernd schön!, illustrierte Briefumschläge von Binette Schroeder, zu sehen.