Vorhang auf für Laura Fuchs!

Laura Fuchs

Talentierte Illustrator*innen zu entdecken und zu fördern, ist eine der schönsten Aufgaben in einem Verlag. Gleich vier junge Künstlerinnen sind in unserem aktuellen Programm zu finden. Wir stellen euch diese in einer Blog-Serie näher vor. Wir sprachen mit Laura Fuchs über ihr fulminantes Bilderbuch »Ein Nashorn namens Clara«.

Laura Fuchs wuchs zwischen Wäldern und Feldern Nordrhein-Westfalen auf, wo es viel Raum für eigene Geschichten und Bilder gibt. Das Studium der Illustration führte sie nach Hamburg, wo sie auch heute noch lebt. Mit ihrem Hund erobert sie die Grenzen der Stadt und mit ihrem Pinsel die ganze Welt. Für «Ein Nashorn namens Clara» hat sie opulente und detailreiche Bilder gestaltet und Katrin Hirt hat die Geschichte akribisch recherchiert.

NordSüd Verlag: Liebe Laura, in deinem ersten Bilderbuch ging es um ein Krokodil. Nun reist in «Ein Nashorn namens Clara» ein Nashorn um die Welt. Haben es dir Tiere, die große Abenteuer erleben angetan?

Laura Fuchs: Ich glaube, es sind vor allem die großen Abenteuer, die es mir angetan haben. Wobei sich Abenteuer bei mir oft nur metaphorisch bildhaft durch eine Reise definiert. Viel mehr geht es mir um den Mut für die Sache, das Selbstvertrauen in sich selbst und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Claras Geschichte ist natürlich eine abenteuerliche Reise um (fast) die ganze Welt. Aber noch viel mehr zeigt sie uns doch, was man erreichen kann, wenn man Risiken eingeht. Wenn man den Mut hat, sich im Zweifelsfall auch einmal gegen die Gesellschaftsnorm und – viel schwieriger – auch den eigenen Ängsten zu stellen.

Laura Fuchs arbeitet an «Ein Nashorn namens Clara».

Wann hast du zum ersten Mal von Clara gehört? Hat dich diese wahre Geschichte gleich gepackt? Was fasziniert dich daran?

Tatsächlich kannte ich Abbildungen von Clara bereits vor der Projektanfrage des Verlags aus der Kunstgeschichte. Jedoch ist mir erst bei der Recherche für eben diese Anfrage bewusst geworden, dass es sich dabei um Clara handelt und welche spannende Geschichte dahinter steckt. Beispielsweise hatte ich das berühmte Ölgemälde von Clara beim venezianischen Karneval des Malers Pietro Longhi bereits im Original in der National Gallery in London gesehen. Auch die bedeutenden wissenschaftlichen Anatomie-Zeichnungen von Jan Wandelaar mit Clara im einem Nashorn im Hintergrund waren mir bekannt. Da war es natürlich umso faszinierender, diese bis dato unzusammenhängenden Wissensbrocken mit Claras Geschichte zu verknüpfen.

Wie wurde der NordSüd Verlag auf dich aufmerksam?

Im Frühjahr 2015 besuchte ich zum ersten Mal die Kinderbuchmesse in Bologna. In meiner Mappe hatte ich fünf große Originalmalereien aus meinem ersten Bilderbuch „Die fabelhafte Reise des Gaspard Amundsen“. Ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen: Mit wenig Ahnung von den Abläufen in der Branche aber sehr viel Leidenschaft im Gepäck, habe ich meine Malereien auch Katja Alves vom NordSüd Verlag präsentiert. Der Funke muss wohl übersprungen sein, denn seitdem hat sich der Kontakt zum NordSüd Verlag stets aufrecht gehalten. Das richtige Projekt für unsere Zusammenarbeit hat dann mit Clara gar nicht mehr so lang auf sich warten lassen.

Deine Illustrationen sind sehr detailgetreu. Wie recherchierst du die Orte, an welchen deine Geschichten spielen?

Insbesondere bei der Recherche für „Ein Nashorn namens Clara“ stand ich vor einer besonderen Herausforderung. Da die Geschichte in einer Zeit spielt, in der die Fotografie noch nicht erfunden war, gründete sich meine Bildrecherche vor allem auf historische Malereien aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Aber auch wissenschaftliche Artikel und Dokumentationen über beispielsweise den europäischen Schiffsbau zu dieser Zeit oder die Rokoko Kleidermode gehörten zu meinen täglichen Lektüren. Das Internet hilft da heute natürlich maßgeblich aus. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte ich für all diese Informationen vermutlich Bibliotheksarchive und Schauplätze in ganz Europa bereisen müssen.

Laura Fuchs und ihr Hund sind ein tolles Team.

Mit welchen Materialien hast du in «Ein Nashorn namens Clara» gearbeitet? Und mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

Im Herzen bin ich durch und durch klassische Malerin. Die Illustrationen zu meinen Büchern entstehen in umfangreicher, analoger Handarbeit mit Pinsel und Aquarellfarbe. Diese Farbe hat sehr sensible Eigenschaften, die einen ganz besonderes Look erschaffen können. Dabei bin ich allerdings auch keine klassische Aquarellistin. Ich nutze die Farbe zum Teil auch deckend, vergleichbar mit einer Gouache-Technik. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass meine Bilder erst durch viele Schichten Farbe ihren besonderen Stil des Kontrasts zwischen deckenden und leuchtend-lasierenden Farbflächen ausprägen, was den enormen zeitlichen Aufwand dieser Technik definiert. Neben Aquarellfarbe liebe ich die Malerei mit Öl, was allerdings, allein wegen der benötigten Lösungsmittel und der Dauer der Trocknungszeit, nochmals einen räumlichen und geruchsintensiven Mehraufwand mit sich bringt. Aber auch das plane ich in Zukunft einmal für ein Projekt umzusetzen.

NSV: Hast du eine besondere Arbeitsweise?

Mein Leben funktioniert nicht ohne Tee – übrigens auch im Sommer nicht! Während meiner Arbeit darf die dampfende Kanne also auch nicht fehlen. Ungünstig ist es nur, dass man in der Aquarellmalerei seine Pinsel stets in Wasser tauchen muss, welches auf meinem Arbeitsplatz meist abenteuerlich nah am Trinkglas steht. So erscheint mein Tee so manches Mal ein wenig farbintensiver als beabsichtigt. Wenn ich nach viel Planung und Vorzeichnung endlich wieder ans Malen komme, so brauche ich absolute Ruhe über Stunden hinweg. Meist vergesse ich die Zeit beim Malen komplett und manchmal sogar das Essen. Am besten funktioniert das dann mit einem Hörbuch, dass allermindestens 30 Stunden Laufzeit hat. Einmal pro Jahr, wenn die kalte Jahreszeit so langsam einzieht, höre ich alle 7 Bände von Harry Potter beim Malen durch. Da sind fast 140 Stunden Arbeitszeit. Darauf freue ich mich sogar bereits wenn ich im Sommerkleid bei 30 Grad und offener Balkontür am Arbeitsplatz sitze.

Und an welchem Projekt arbeitest du im Moment? Welches Tier wird dein nächster Bilderbuch-Held?

Aktuell arbeite ich an den Bildern für eine wundervolle und besondere Vorlesegeschichte mit dem Carlsen Verlag. Ich kann zu diesem Projekt noch nicht viel verraten, außer dass die Heldin der Geschichte eine kleine spitze Nase und einen langen Schwanz hat. Auch das ist übrigens wieder eine Geschichte über eine Figur, die entgegen aller anderen Meinungen einen ganz eigenwilligen Weg geht! Ich kann es kaum erwarten, dass dieses Abenteuer in Buchform in die Welt hinaus zieht. Bis dahin jedoch versüßt mir die eigentliche künstlerische Arbeit daran die Wartezeit bis zum Erscheinungstermin.An der Bilderbuchfront konzipiere und schreibe ich gerade selbst meine ganz eigenen Geschichten. Tierisch und abenteuerlich wird es auf jeden Fall, doch da hülle ich mich bis auf Weiteres noch ein wenig länger in den Mantel des Schweigens…