Eine kleine Maus in Nagano

Liebes Tagebuch,

heute gibt es einen Eintrag aus Japan. Ja, du hast richtig gelesen, wir beide sind in Japan. Gewiss hast du dich schon gewundert, warum du so lange in meiner Tasche warst und es zwischendurch so gerumpelt hat unter deinem Hinterteil. Das waren die Luftlöcher und leichten Turbulenzen während unserer Reise in der Luft. Aber nun haben wir es geschafft. Nach einem langen Flug über den fernöstlichen Teil der Welt, einer Zugfahrt der Linie »Limited Express« durch die japanische Landschaft und schließlich einer Autofahrt in einem hübsch ausgestatteten Taxi mit weißen Häkeldeckchen sind wir am Ende unserer Reise angekommen. Unser Ziel liegt an einem der bezauberndsten Orte, der sich uns je bot. Das »Little Museum of Picture Book« in Yatsugatake in der Präfektur Nagano liegt nämlich inmitten eines verwunschenen Waldes mit Bäumen die Blätter haben, groß wie Elefantenohren und ihre Rinden sind verkrustet wie die Austernbänke an der Nordsee. 

Die Begrüßung durch das Team des Museums ist sehr herzlich und unser Gastgeber, der charismatischen Toshiki Takei, der schon seit über 80 Jahren auf dieser Erde weilt, hat mein Herz schon beim »Konichiwa « erobert. Und warum ich mitten in einer der heißesten und feuchtesten Jahreszeiten nach Japan reise, fragst du dich? Nun, das will ich dir verraten. Diese Tage ist die Ausstellungseröffnung eines Künstlers, der uns kleinen Mäuschen seit einigen Jahren ganz groß raus bringt! Meine pelzigen Verwandten mit ihren fantastischen Entdeckungen haben ihn nämlich dazu inspiriert, die abenteuerlichen Geschichten ihrer tollkühnen Mäuseerfindungen zu erzählen und zudem auch zu illustrieren. Und eines sag ich dir, dass macht er wirklich anständig. Onkel Hubert sieht zwar in einer Darstellung etwas moppelig aus, aber die meisten von uns hat er schon ganz gut getroffen. Das großartige aber an seinen Geschichten ist, dass Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt sie lesen und lieben. 

Zur Eröffnung der Ausstellung und dem anschließenden zweitägigen Seminar sind ganz viele Frauen und Männer aus unterschiedlichen Bereichen wie Schule, Bibliothek, Erziehung, Bildung und Kunst gekommen, um sich vom Künstler persönlich in die Ausstellung einführen zu lassen, ihn kennenzulernen und natürlich, um von ihm zu lernen. Wer er ist, möchtest du wissen? Die Rede ist natürlich von keinem anderen als Torben Kuhlmann, den man wohl fast schon als den »Mäuseflüsterer« bezeichnen könnte.

In zwei großzügig geschnittenen Räumen des Museums sind seine fertig ausgearbeiteten und kolorierten Aquarelle der Bücher »Lindbergh«, »Armstrong« und »Edison« zu sehen. Zusätzlich sind Auszüge aus seinen Skizzenbüchern sowie Charakterstudien und weitere Scribbles ausgestellt. Die Bücher selber sind natürlich auch käuflich zu erwerben sowie zudem kleinere Geschenkartikel, wie Poster, die Edison-Newspaper und kleine A4-Mäppchen für meine eigenen Skizzen. Das gibt es aber alles erst, nachdem die Arbeiten der Ausstellung ausgiebig bewundert wurden.

Eine besondere Freude ist auch, dass Torben von der so sonnigen Dolmetscherin Shinobu von Felten-Oka begleitet wird, die alle Antworten des Künstlers geduldig ins Japanische übersetzt und andersherum eben auch für Torben alles ins Deutsche. Eine zweite beeindruckte Persönlichkeit die ich treffe, ist Sensai Kanehara. Er übersetzt Torbens Bücher ins japansiche und arbeitet zudem noch als Professor an der Universität. Ich habe mich zu ihm und Sana ins Bild geschlichen, kannst du mich entdecken?

Am Abend der Ausstellungseröffnung gab es ein gemeinsames Essen mit einer kleinen Preisverleihung. Jeder der Teilnehmer war ganz besonders aufgeregt und erfreut, wenn sein Name aus der Lose-Box gezogen wurde und es einen Gewinn rund ums Thema »Mäuseerfindungen« gab. Aber niemand hat sich wohl so gefreut wie dieser kleine Junge, der extra mit seiner Mama eine mehrstündige Zugfahrt auf sich genommen hat, um seinem Vorbild, Torben Kuhlmann, persönlich begegnen zu können. Das war eins sehr freudiger und bewegender Moment zugleich.

Toshiki Takei und seine Frau, Frau Sato, die ebenfalls als Illustratorin arbeitet, haben an dem Abend durchs Programm geführt und es gab viel zu lachen, viele Geschichten zu erzählen und viele Leckereien zu essen.  Für mich gab es sogar eine komplett eigene Bento-Box!   *yummy* 

Pips’chen, Sanas treuer Gefährte