Vorhang auf für Rachel Katstaller!

Rachel Katstaller

Talentierte Illustrator*innen zu entdecken und zu fördern, ist eine der schönsten Aufgaben in einem Verlag. Gleich vier junge Künstlerinnen sind in unserem aktuellen Programm zu finden. Wir stellen euch diese in einer Blog-Serie näher vor. Wir sprachen mit Rachel Katstaller über ihr erstes Bilderbuch »Ada und die Zahlen-Knack-Maschine«.

Rachel Katstaller ist in El Salvator geboren und aufgewachsen. Sie studierte strategisches Design und besuchte die Sommerresidenz für Illustration an der School of Visual Arts in New York. Inzwischen lebt Rachel Katstaller mit ihrer Katze Hemingway in Innsbruck, arbeitet für verschiedene Verlage und vertreibt ihre eigene Kleidermarke Las Furios. 2019 ist Rachel Katstaller für den Sarafina Nachwuchspreis Illustration nominiert.

NordSüd Verlag: Du bist in El Salvador geboren und wohnst jetzt in Innsbruck. Wie ist es dazu gekommen?

Rachel Katstaller: Ich wollte schon immer nach dem Abschluss der Schule irgendwo anders leben. Damals fand ich die Vorstellung, in El Salvador zu bleiben furchtbar. Nach dem Studium habe ich eine Zeit in Montreal verbracht und kurz darauf in New York, wo ich Francesca Sanna in der Summer Residency an der School of Visual Arts kennengelernt habe. Sie hat mich auf die Idee gebracht nach Europa zu ziehen. Die Wahl, in welche Stadt ich ziehen sollte, war nicht so einfach, aber da ich durch meine Grossmutter und ihre Eltern einen Bezug nach Innsbruck hatte, fiel die Entscheidung am Ende doch leicht. Ich bin sehr glücklich, dass ich das gemacht habe, obwohl es mir sehr schwerfiel, meine Familie in El Salvador zu lassen und so weit weg von meiner Heimat von Null anzufangen.

 Welche dieser Städte inspiriert dich am meisten in deiner Arbeit?

Rachel Katstaller am Arbeiten. (c) Florian Trattner

Seitdem ich nicht mehr in El Salvador lebe, beschäftigt mich das Thema meiner Herkunft sehr. Denn in Innsbruck werde ich immer wieder gefragt, wo ich herkomme. Das Tropische, der Dschungel und seine Tiere und vor allem die Menschen und Ureinwohner aus El Salvador finden immer wieder einen Weg in meine Gedanken und Skizzenbücher. Aber auch der Einfluss meiner neuen Heimat ist gross. Mit meinem Umzug hat sich vieles für mich verändert. In Innsbruck habe ich meine neue Leidenschaft, das Skaten, entdeckt und so lerne ich auch ganz viele neue Menschen mit der gleichen Leidenschaft kennen.

NSV: Ada Lovelace liebte die Mathematik und Bücher. Teilst du diese Leidenschaft? Oder hast du am liebsten Pinsel und Stifte in der Hand?

Mathe war nie meine Stärke, vor allem hatte ich immer vor den Mathelehrern in der Schule furchtbare Angst! Dafür habe ich immer schon sehr gerne gelesen. Die Pause in der Schule habe ich brav immer in der Bibliothek verbracht. Jetzt lese ich leider viel weniger als früher, jedoch genieße ich es sehr, Hörbücher beim Arbeiten zu hören. Ich freue mich dann richtig auf lange Tage, die ich mit malen und Bücher hören verbringen kann.

NSV: Hast du eine besondere Arbeitsweise? Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

Ich bin sehr streng mit meiner Herangehensweise wenn ich an einer Illustration für ein Buch arbeite. Mein Arbeitsplatz muss aufgeräumt sein und die Arbeit muss Schritt für Schritt erledigt werden: zuerst brauche ich eine saubere Skizze, die auf das weisse Papier mit einem Aquarellstift übertragen wird und erst dann kann es mit dem Malen losgehen. Zuerst werden die großen Farbflächen mit Gouache gemalt, dann mit Buntstiften und Bleistift Hintergründe und Details gezeichnet. Wenn ich für mehrere Bilder dieselbe Farbe brauche, male ich drei bis vier Bilder gleichzeitig an. Dann sieht mein Atelier besonders durcheinander aus! Ordnung ist mir aber besonders wichtig an meinem Arbeitsplatz: bevor ich mein Atelier verlasse, räume ich alles auf, damit ich am nächsten Tag problemlos weiterarbeiten kann.

Girls don’t cry, they illustrate. (c) Florian Trattner

 NSV: Wie wurde der NordSüd Verlag auf dich aufmerksam?

Eigentlich kann ich mein Glück gar nicht so recht glauben. Zum ersten Mal traf ich an der Kinderbuchmesse in Bologna auf den NordSüd Verlag. Ich hatte eine schöne Mappe mit Bildern und möglichen Projekten vorbereitet, unter denen auch die Geschichte von Zoë Tucker über Ada war. Ich habe mich in die lange Schlange für die Mappenstunde am NordSüd Stand eingereiht und als Herwig Bitsche meine Version von Ada sah, hat er gleich gesagt: »Das ist Ada«. Ich konnte dann Herwig meine Visitenkarte geben und er hat gesagt, er würde sich bei mir melden. Und tatsächlich habe ich ein paar Tage später eine E-Mail von ihm erhalten!

NSV: Was waren deine Gefühle, als du gehört hast, dass der NordSüd Verlag mit dir zusammenarbeiten möchte?

Ich war natürlich sehr glücklich! Zur selben Zeit war ich auch traurig, weil ich davon überzeugt war, dass Zoë Tucker gar nicht mit mir arbeiten wollte und ihr Manuskript schon an einen anderen Verlag verkauft hatte. Zum Glück war es dann aber gar nicht so. Auch Zoë hat sich sehr über die Zusammenarbeit mit mir und dem NordSüd Verlag gefreut.

NSV: War es dir ein grosses Anliegen, eine Geschichte über ein kluges Mädchen zu illustrieren?

Oh ja! Ich beschäftige mich seit längerem mit Feminismus und der Rolle der Frauen in der Gesellschaft, vor allem auch in der zentralamerikanischen, wo es noch sehr viel Arbeit zum Thema Gleichberechtigung gibt. Daher fand ich die Geschichte von Zoë eine unglaublich wichtige. Ada soll nicht nur ein Vorbild für Mädchen, sondern auch für Buben sein.

Ada Lovelace, gemalt von Rachel Katstaller. (c) Florian Trattner

NSV: Welche historische Figur möchtest du auch noch gerne in einem Bilderbuch verewigen?

Ich würde sehr gerne eine starke Frau aus Lateinamerika in einem Bilderbuch verewigen. Dies wäre Rigoberta Menchú, eine k’iche aus Guatemala, die für die Rechte der Ureinwohner Guatemalas kämpft und dafür 1992 den Friedensnobelpreis gewonnen hat.