Vorhang auf für Julie Völk!

Julie Völk

Talentierte Illustrator*innen zu entdecken und zu fördern, ist eine der schönsten Aufgaben in einem Verlag. Gleich vier junge Künstlerinnen sind in unserem aktuellen Programm zu finden. Wir wollen euch diese Illustratorinnen in einer Blog-Serie näher vorstellen. Den Auftakt macht Julie Völk.

Julie Völks Bücher wurden schon vielfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, dem Troisdorfer Bilderbuchpreis und von der Stiftung Buchkunst. Mit »Das Dunkle und das Helle« erscheint zum ersten Mal ein Buch von Julie Völk im NordSüd Verlag. Darin wendet sie eine alte Technik aus den Anfängen der Fotografie an, den Blaudruck (Cyanotypie). Wir haben die Illustratorin zum Gespräch getroffen.

NordSüd Verlag: Liebe Julie, viele deiner Bilderbücher wurden ausgezeichnet. Wie unterscheidet sich dein neues Buch »Das Dunkle und das Helle« von deinen anderen Geschichten?

Julie Völk: In meinen eigenen Bilderbüchern erzähle ich unterschiedlichste Geschichten über unterschiedliche Menschen. Sie spielen in Welten, die aussehen wie unsere Realität. Die Figuren sind Menschen, Tiere oder Märchenfiguren. Das ist diesmal anders: Für »Das Dunkle und das Helle« habe ich mit dem Text von Kerstin Hau gearbeitet und dafür Fantasiefiguren entworfen, die in einer sehr reduzierten Welt leben, die von einem Kontrast zwischen hell und dunkel, bunt und monoton bestimmt wird. Für diese spezielle Welt habe ich zum ersten Mal mit einer besonderen Technik gearbeitet, der Cyanotypie.

Julie Völk am Arbeiten an »Das Dunkle und das Helle« in ihrem Atelier.

NSV: Wie bist du auf diese spezielle Technik aufmerksam geworden?

JV: Eine Bekannte hatte mir eine Postkarte geschickt, die auch in der Cyanotypie-Technik gestaltet war. Und von einer anderen Freundin habe ich Solar-Fotopapier aus dem Bastelladen geschenkt bekommen, welches man für diese Technik gut gebrauchen kann. Da kam ich auf die Idee, Cyanotypie auch als Illustrationstechnik zu nutzen. Am besten gefällt mir, wie die Cyanotypie die Strukturen von Materialien, zum Beispiel von Stoffen oder auch von Blüten und Blättern sichtbar macht.

Durch die Cyanotypie entstehen Negativeffekte und tiefe Blautöne auf dem Papier.

NSV: Im digitalen Zeitalter ist die Cyanotypie eine höchst ungewöhnliche Illustrationstechnik für ein Bilderbuch. Warum hast du dich dennoch dafür entschieden?

JV: Die Cyanotypie passt einfach perfekt zu dem Hellen und dem Dunklen. Schließlich entsteht sie durch Belichtung und Nicht-Belichtung. Das Helle leuchtet regelrecht und der dunkle Blauton und die verschiedenen Belichtungsstufen geben schöne Nuancen und Strukturen im Blau und machen die Dunkelheit lebendig. So ist es nicht einfach nur eine dunkle Fläche. Mir macht das Illustrieren Spaß, wenn ein handwerklicher Prozess dahintersteckt, ob es nun die Zeichnung auf Papier, die Radierung oder Cyanotypie ist. Das Drumherum muss sich ein bisschen wie eine Werkstatt anfühlen. Das Material und die Technik geben mir eine Richtung vor. Ausserdem fällt es mir sehr schwer, ein Bild, das am Rechner entsteht, für fertig zu erklären.

Durch Sonnenlicht wird das Blatt beleuchtet.

NSV: Welche Rolle spielt der Zufall bei dieser Technik?

JV: Bei der Cyanotypie spielt es eine Rolle, wie exakt die lichtempfindliche Flüssigkeit aus den Chemikalien gemischt ist, welches Papier man verwendet, wie die Flüssigkeit auf das Papier aufgetragen wird, wie lange und bei welchem Wetter man belichtet und wie gut man die nichtbelichteten Stellen auswäscht. Den Zufall beim Belichten kann man auch ausstellen, in dem man eine künstliche UV-Lichtquelle benutzt. Ich habe vorher viel experimentiert und Zeit gemessen, trotzdem hat sich der Zufall mit in den kreativen Prozess gemischt. Manchmal positiv und manchmal habe ich eine Cyanotypie so oft wiederholt, bis mir das Ergebnis gefallen hat.

 NSV: Welche Art von Stimmung verbindest du mit der Cyanotypie?

JV: Eine Cyanotopie hat etwas Ruhiges, Klares. Sie kann die Dinge auf Wesentliches konzentrieren.

Julie Völk hat viel experimentiert, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden war.

 NSV: Und mit welchem Projekt beschäftigst du dich im Moment?

JV: Im Moment mache ich Urlaub. Danach geht es an ein größeres Projekt, eine Märchensammlung. 

NSV: Vielen Dank für das Gespräch!

Julie Völk wurde 1985 in Wien geboren. Sie studierte Illustration an der HAW Hamburg. Völks Bücher sind vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, dem Troisdorfer Bilderbuchpreis und von der Stiftung Buchkunst. Julie Völk lebt und zeichnet in der Nähe von Wien.